1922 bis heute

Kavallerieverein oder Reitverein?

Im Gegensatz zu unseren Nachbarvereinen Kavallerieverein Hinterthurgau und Kavallerieverein Winterthur; war der Reitverein Elgg auch immer bereit, reitbegeisterte „Zivilpersonen“ aufzunehmen. Die Vereinsgründung verdanken wir einem „Nichtkavalleristen“, nämlich Herrn Notar Hans Huber; der im Anschluss an den Aschermittwochsumzug 1922 zu einer konstituierenden Sitzung einlud.

Schon damals war die Mitgliedschaft in einem Verein und der regelmässige Besuch der Reitübungen für aktive Kavalleristen obligatorisch und es erstaunt deshalb nicht, dass die Dragoner aus unserer Region, die Gründung eines eigenen Vereins begrüssten. Um ihren ausserdienstlichen Reitpflichten nachzukommen, mussten sie die Übungen des Kavallerievereins Winterthur besuchen. War die Besammlung zum Beispiel in Pfungen oder Hettlingen, war dies für einen Reiter aus Elgg oder Hagenbuch mit einem grossen zeitlichen Aufwand verbunden.

Die Kavalleristen genossen aber nicht immer hohes Ansehen. Die Bundesverfassung von 1848 postulierte die allgemeine Wehrpflicht, damit wurde auch das Milizsystem eingeführt. Die Ausbildung der Truppe war aber Obliegenheit der Kantone. Der Kanton Zürich rüstete seine drei Dragonerschwadronen, die er dem Bund zu stellen hatte, nur teilweise auf eigene Kosten aus. Noch 1868 schrieb das Reglement vor; dass die Kavalleristen selbst ein Pferd zu stellen hätten. Im perfekten Stil über den stattlichen Birken-Oxer Werner Sommer mit Cimego am Concours in Uster 1942.

Während der Grenzbesatzung von 1870/71 im Deutsch-Französischen Krieg erhielt dann unsere Reitertruppe auch entsprechend schlechte Noten. Der Generalstabschef hielt in seinem Schlussbericht fest, die Kavallerie sei träge, massig und schwerfällig.

Mit der Revision der Bundesverfassung 1874 übernahm dann die Eidgenossenschaft den Einkauf der Bundespferde und bildete sie in eigens dafür geschaffenen Remontenschulen aus. Die Ausbildung der Kavalleristen unterstand neu dem Waffenchef für Kavallerie, ab 1883 dem späteren General Ulrich Wille. Unter seiner Führung erreichten die berittenen Truppen eine Blütezeit, die Ausbildung in den kurzen Rekrutenschulen war aber immer noch ungenügend. Hier sprachen nun die Kavallerievereine in die Lücke. Die Beteiligung an einer Mindestzahl von Übungen war von nun an für alle Dragoner Pflicht. Gleichzeitig waren die Kavallerievereine und später die Reitvereine auch auch die Repräsentanten des Milizheeres in breiten Bevölkerungskreisen.